In den Städten haben sich schon früh, im 12. bis 14. Jahrhundert, die einzelnen Gewerke zu Zünften zusammen geschlossen um sich gegen die Konkurrenz von außerhalb zu schützen. Die Zünfte gewannen schnell an Macht und Einfluss. Noch im 19. Jahrhundert werden Zünfte gegründet, zu deren Stolz der Besitz von Zinngerät gehört. Mit dem erschließen der Zinnminen im Erzgebirge im 12. Jahrhundert wurde für die Zünfte das begehrte Geschirr wie Willkomm, Teller, Kannen und Becher erschwinglich. Das aus dem englischen Cornwall oder gar das eingeführte Zinn aus Südostasien war bis dahin zu teuer. Wann die Zunft der Zinngießer oder der „Kannengießer“, wie sie sich bis zu Renaissance-Zeit nannten begann, ist nicht bekannt. Der P. Abraham a Santa Clara aus Hall in Sachsen sagt 1698: „ Die Arbeit und das Handwerk dieser Leute ist sauber, gut und nutzlich, wann es aber seinen Anfang genommen, wissen sie es selbsten nicht“. Die ersten Eintragungen sind 1304 bei den Zinngießern in Paris und in Wien hatten die Zinngießer 1368 eine Zunftordnung. Eine weitere Erkenntnis des P. Abraham a Santa Clara aus Hall in Sachsen war: „ Die Zinngießer brauchen auch mit dem großen Rad die Drehlade, aber sie seynd zuweilen auch verdrehte Gesellen und sagen, dass ihre Schüsseln und Teller von halb-englischen Zinn, da sie unterdessen von halb teuflischen seynd, dann dort ist ihr meister Gewinn, wann sie das Bley verkaufen für Zinn“ Das Zinn war jahrhundertelang sechs- bis sieben mal so teuer wie Blei und da war die Versuchung groß, etwas mehr zu verdienen. Der älteste Nachweis über die Zinngießer in Elbing stammt aus dem Jahre 1385, aus dem so genannten „Elbinger Kriegsbuch“ in dem sämtliche 17 Elbinger Gewerke aufgezählt sind, darunter auch das Gewerk der Cannengiter. Weitere Schriften waren das Protokollbuch des Gewerks der Zinn und Rotgießer, genannt der „Schläfer“ vom 1. Mai 1770 das bis 1541 zurück geht und bis 1801 reicht und die Lehrlingsrolle von 1542 bis 1649. Aus Marienburg wird der erste Kannengießer 1409 im Hauskomturbuch erwähnt der erste Namen „Symon“ 1412.Um 1800 enden diese Aufzeichnungen aber schon ab 1777 werden die Marienburger Zinngießer als Außenbrüder in das Elbinger Gewerk aufgenommen, so auch David Kroll.
Im Jahr 1776 bewirbt sich der Zinngießer David Kroll aus Neuteich bei der zuständigen Zunft mit diesem Teller als Meisterstück um die Ablegung einer Meisterprüfung. Der Teller mit passig geschweiftem Profilrand (so genannter Rosenblatt- oder Barockrand), 30 cm im Durchmesser und 850 Gramm schwer ist unten 3 mal mit dem zukünftigen Meisterzeichen gemarkt. Das dreigeteilte Meisterzeichen zeigt einen Adler für den König (Landeszeichen), das Stadtzeichen als ein Tor mit drei Türmchen (Marienburg) und das Meisterzeichen, einen springenden Hirsch. Über dem Zeichen ist eine Krone, diese steht für die Qualität. Oben im Zeichen ist anstatt der üblichen Namens-Anfangsbuchstaben die Jahreszahl der Meisterprüfung. Erst nach der Eintragung als Meister der Kannegitter in die Zunftrolle durfte David Kroll auch seine Namenskennung in sein Eisen setzen(siehe Abbildung). Im Jahr 1777 wurde David Kroll in das Elbinger Gewerk als Außenbruder aufgenommen.(Elbing Zinng. Schläfer S. 32 und Hintze Bd. III,1585)
1. Elbinger Prunkteller von Johann Andreas Woll, 37 cm Durchmesser.
2. Steilwandschüssel von Johann Jacob Bietau (Bitau, Betau) 26 x 8 cm.
3. Zunftbecher von Johann Daniel Deveer (De Veer, Dewer) 18,5 x 14 cm
Elbinger Willkomm der Schneiderzunft von 1768
Arbeit von dem Elbinger Zinngießermeister und Ältermann Heinrich Kemnitz (Chemnitz)