Wohl selten hatte um 1900 eine Stadt ein so reges Vereinsleben wie Elbing. Unzählige Vereine bewiesen, die Elbinger Bürger waren weltoffen, allem geistigen und kulturellen zugänglich und ihren Nachbarn gegenüber sehr aufgeschlossen. In der Chronik sind um 1900 allein 16 Gesangvereine und sonstige Chöre aufgelistet und mit Sicherheit hatte jede Kirche wenigstens einen Chor. Bekannt sind:
Elbinger Kirchenchor zu St.Marien ca. 80 Sänger
Elbinger Kirchenchor zu Heilig-Drei- Königen ca. 112 Sänger
Elbinger Männergesangverein ca. 40 Sänger
Fabrik-Gesangverein Loeser & Wolff
Gesangverein der Bäckerinnung
Gesangverein der Maschinenbauer und Tischler
Kirchenchor der Gemeinde St. Paulus, Pangritz-Kolonie
Lehrergesangverein ca. 50 Sänger
Lehrerinnen-Verein, Musik-Sektion
Liederhain ca. 113 Sänger
Liedertafel
Philharmonischer Chor ca. 120 Sänger u. Sängerinnen
Sängerchor des Evangelischen Arbeiter-Vereins
Sängerchor des Krieger-Vereins
Sängerchor des Ortsverbandes der deutschen Gewerskvereine (Hirsch-Dunker)
Volksliedertafel
Daneben gab es auch einige Kapellen und Orchester, die Stadt war musikalisch gut versorgt. Von den vielen musikalischen Veranstaltungen sind die Sänger- Musik-Feste von 1897 und 1905 bekannt, wo man extra eine Halle aufstellte in der 500 Sänger und 3000 Zuhörer Platz fanden.
Die Elbinger Sängerfeste.
Im Juli 1897 fand in Elbing das „Provinzial Sängerfest“ und im Juni1905 das "Altpreußische Musikfest" statt. Drei alte Ansichtskarten belegen diese Ereignisse, das war aber auch alles was bisher bekannt war. Verzweifelt suchte nicht nur mein Freund Hans Preuß nach weiteren Unterlagen, aber wer hier hätte helfen können, lebte nicht mehr. Der Standort dieser beiden Hallen wurde im Garten der Bürger-Ressource oder aber neben der Ritterschule vermutet, ganz falsch!!! Auf einer Auktion konnte ich den kompletten Jahrgang der Baugewerkszeitung, gebunden, von 1905 ersteigern, und damit dieses Rätsel lösen. Diese Halle war 64 m lang, 36 m breit und 13 m hoch. Sie kostete 26000 Mark und stand an der Holländer Chaussee am Bahnhof, heute ist dort der Autobus-Bahnhof. In diesen 1284 Seiten starken Band sind auf den Seiten 574 und 575 neben einem Bild der Halle auch ein Grundriss, ein Querschnitt und Angaben über Standort und Baukosten zu sehen. Es sind auch Einteilungen der Bühne (Anzahl für Sänger/ Orchester) und der Halle (Anzahl der Sitz- und Stehplätze, Kassen) eingezeichnet.