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Geschichte und Fischrechte.

Über einen genauen Zeitpunkt der Entstehung von Fischer-Vorberg ist nichts bekannt, zuvor war nur allgemein Vorberg bekannt. Vorberg lag in der Neustadt, nahe dem ehemaligen Schlossgraben, aber die Häuser reichten nicht bis zum Elbingfluß. Vorberg wird erstmalig erwähnt am 18. August 1556, an diesem Tag wird nahe dem Schlossgraben die Kupfermühle errichtet. Der Danziger Hans Jesky ist der Erbpächter, er erwirbt auch das Recht eine Schleifmühle zu errichten und zahlt in den ersten sechs Jahren 12 geringe Mark zu je 20 Groschen Jahreszins an den Außenkämmerer, und danach 15 geringe Mark jährlich. Die erste Abbildung von Vorberge ist auf der Spiegelbildansicht von der Stadt Elbing, einem Merian-Stich von 1625 zu sehen, einem Entwurf von Heinrich Thomasson (Henricus Thomä), ein Ingenieur von Gustav Adolf. Dieser Plan wurde im September 1626 von Gustav Adolf bestätigt und sofort verwirklicht. Die neue Befestigungsanlage teilte das Gebiet oder auch den Stadtteil Vorberg in den Inneren-Vorberge und den Äußeren-Vorberge.


Vorberg ist erstmals auf dem Plan der Stadt Elbing von 1785 zu erkennen. Unten links der Marienburger Damm, aufgeschüttet aus den Trümmern der Elbinger Ordensburg, am Ende in der Stadtmauer die Kälberpforte. Zwischen dem Marienburger Damm und dem Elbingfluß hinter der Mauer das Gebiet oder auch Stadtteil "Vorberge". Der Stadtteil "Fischer-Vorberg" vor 1945 lag vorne direkt am Elbingfluß über dem Baum und vor den Mauern. Bitte beachten, der obere Stich von Merian ist Seitenverkehrt (gespiegelt).

Fischer-Vorberg als eine Elbinger Straße zu bezeichnen ist nicht richtig, es waren um 1934 vier Straßen mit verschiedenen Laufrichtungen, die alle den Namen Fischer-Vorberg trugen, es war wohl eher ein kleines romantisches Fischerdorf vor den Toren der Altstadt, auf dem ehemaligen Gelände der Elbinger Neustadt. Die ältesten Angaben über das Fischrecht im Elbing sind in dem Privilegium oder der Handfeste von Elbing, ausgestellt am 10. April 1246 durch den Hochmeister Heinrich von Hohenlohe, neun Jahre nach der Stadtgründung, Absatz 2 zu finden: „Die Bürger sollen die Freiheit haben, innerhalb dieser Grenzen im Elbing, Drausen und im Haffe, nur nicht eine halbe Meile lang an dem Orte, welcher Harena (vermutlich die Frische Nehrung) heißt, wo die Weichsel in verschiedenen Armen ins Haff fließt, und wo sich der Orden die Fischerei vorbehält, zu fischen, doch nicht mit dem Gezeuge Nywath (größeres Fangnetz). Auch sollen sie keine Verschließungen und Wehren machen.“ Ansonsten galt in Elbing das Lübische Recht, das die Elbinger Fischrechte stark eingrenzte. Um 1300 forderte Elbing mehrere Gutachten an, unter anderem von Johann von Bocholde und drei anderen Lübecker Domherren, dann 1296 aus Paris die Doktoren der Rechte Peter von Bellapercha, der berühmte Petrus von Bellaperta, und am 16.August 1300 von Hugo von Besancon. Die Herren erklärten: „Die Fischereifreiheit auf dem Elbing gebühre den Elbingern nicht alleine, sondern steht nach römischen Recht dem Orden zu, da der Orden der Herr Elbings sei.“
Über viele Jahrhunderte galt die Verordnung des Deutschen Ordens nach Lübischen Recht, wonach das vollständige Absperren eines Flusses, um Fische zu fangen, verboten war. Die einzige bekannte Ausnahme aus neuerer Zeit bildet eine Steet im Elbingfluß bei Kilometer 3,75 kurz vor der Thiene- Mündung. Hier sperrte man von den Ufern bis zu einer fünf Meter breiten Fahrrinne in der Mitte den Fluss ab. Die beiden Sperrnetze waren an einem Prikenzaun befestigt. Nach Sonnenuntergang verschloss ein Fischer auch die Durchfahrt mit einem Netz, das an der Wasseroberfläche durch Korken erkennbar war In der schwimmbaren Unterkunft wachte nachts ein Fischer um bei Ankunft eines durchfahrenden Schiffes das Netz abzusenken. Eine ähnliche, jedoch nur den halben Elbingfluß sperrende Steet war vor den Laachehäusern bei Flusskilometer zwei, also kurz nach Austritt des Elbings aus dem Drausen- See, errichtet.


Fischer-Vorberg um 1839 mit restlichen Gräben der ehemaligen Befestigung, in der Bildmitte unten.

Die Fischer-Bruderschaft

Alle selbstständigen Fischer mit eigenem Grund und Boden (er hatte einen „Rauch“) von Fischer-Vorberg waren Mitglied in der Zunft der „Fischer-Bruderschaft“. Die Fischer-Bruderschaft besteht seit etwa 1480 als König Kasimir IV. Jagiello Elbing das Privileg über das alleinige Fischrecht auf dem Elbingfluß erteilte. Der Vorstand der Bruderschaft war der Schulte, ihm zur Seite stand der Älter-Mann (bei den Zünften=der Obermeister). Besondere Tage der Bruderschaft waren der Johannistag, die Sommersonnenwende am 21. Juni. Die Bruderschaft hatte ihre eigenen Satzungen und Vorschriften, die in der Zunftlade aufbewahrt wurden, ob sie auch ein eigenes Siegel führten ist nicht bekannt. Es wurden zu den Treffen aber besondere Trinkgefäße benutzt. Einen dieser Krüge kann man noch heute in Würzburg  im Fischerei-Museum bewundern. Die Treffen der Bruderschaft wurden reihum bei den einzelnen Mitgliedern in deren Häusern abgehalten. Eine Sitte, die sich aus alter Zeit erhalten hatte. Bei den Treffen gab es als Umtrunk dunkles Süßbier (Elbinger Mumme) und eine bestimmte Anzahl Zwieback, rund und groß, auch für die anwesenden Familien-Angehörigen. Es waren schlichte einfache Treffen, zweckentsprechend, aber keine großen Gelage.

Als die Stadt Elbing und ihr Territorium nach 1772 ihre Freistaatlichkeit aufgeben musste, wurde vom preußischen Staat für dieses Gebiet eine Verordnung erlassen, dass alle Zunftrollen abgeliefert und vernichtet werden sollten. 61 Zünfte befolgten 1773 diese Anordnung, darunter war auch die Rolle der Bordingführer von 1421, der Fischaufkäufer von 1455 und der Anker- und Nagelschmiede von 1611. Die Fischerbruderschaft Vorberg folgte dieser Aufforderung nicht. Am Johannistag eines jeden Jahres fand weiterhin von ihnen ein Treffen statt. In ihrer Fischerlade, die jedes Jahr einem anderen Mitglied zur Aufbewahrung übergeben wurde, befand sich neben den Dokumenten auch das Trinkgeschirr aus dem man gerne das Elbinger Mumme (Malzbier) trank. 1944 wurde diese Lade dem Fischer Samuel Klein übergeben, im Krieg ist diese mit dem Haus verbrannt. Die Fischer hatten ihre eigene Fischer-Kapelle in der Heilige- Geist Kirche obwohl sie zur neustädtischen Drei Königskirche gehörten. Die Gottesdienste wurden gemeinsam besucht. Die Fischer hatten auch ihre eigene Tracht: blaue Schiffermütze, ein blau- weiß gestreiftes Hemd, dunkele Ärmelweste, dreiviertellange weiße Hosen, die sehr breit geschnitten waren und Stiefel. Zum letzten mal traten sie so in Erscheinung, als sie ihren langjährigen Aeltermann 1935 zu Grabe trugen.

Die Fischerbruderschaft mit ihren Trinkgefäßen am 19. Juni 1932.


Die Bewohner von Fischer-Vorberg

Es war ein einfaches und hartes Arbeitsleben das die Bewohner von Fischer-Vorberg führten. Es waren mit Sicherheit fleißige und genügsame Ackerbürger und Fischer, die untereinander durch den Zusammenschluss der  „Fischer-Bruderschaft“ seit jahrhunderten einander halfen und unterstützten. Jedes Familien-Mitglied hatte seine Aufgaben, je nach Alter und half bei Bedarf auch in der Fischerei aus. Die härteste Arbeit traf die Männer, die neben der Bestellung der Äcker und Felder, der Fischerei auf einem ca. 28 km langen Fluss nachgehen mussten. Die Fischgründe wurden von der Bruderschaft immer wieder neu verteilt, so dass jeder mal einen weiten oder kurzen Weg, der Ertrag dürfte wohl über den ganzen Fluß verteilt, gleichgewesen sein. Es gab noch keine Außenbord-Motoren und mit dem Segeln auf dem Fluss gab es oft Probleme, wenn der Wind gegen an stand, dann musste die ganze Familie unter Umständen bis zum Haff laufen und den Vater mit dem hoffentlich vollen Boot über den Treideldamm nach Hause ziehen, das gleiche spielte sich auch aus der anderen Richtung vom Drausen-See ab.
Aber die Bewohner von Fischer-Vorberg kannten kein anderes Leben als an und auf ihrem Elbingfluß und auf dem seit Generationen weitervererbtem Grund und Boden. Ein harter, genügsamer Menschenschlag, der in der Not zusammen stand, der aber auch in der Lage war, das einfache Leben zu genießen. 

Der Fischer-Vorberg begann am Wasserhof, unter der heutigen Straße und Brücke über den Elbingfluß, dieser wurde vom Elbingfluß, Innerer Vorberg und Jungferndamm durch einen hohen Zaun unsichtbar gemacht. An der Wasserseite führte eine Holzbrücke mit mehreren Stufen über die Durchfahrt zum Hafenbecken. Hier lagen kleine Ramm- und Faschinenprähme. Vor der Brücke lag die Barkasse „Forelle“, sie wurde außer zu Inspektionsfahrten auch als Schlepper und sogar zum Brechen von frischem Eis benutzt. Auch das kleine Motorboot „Hecht“ der Stadt Elbing lag am Wasserbauhof. Auf der Ecke vom Wasserbauhof-Innerer Vorberg verkehrte ein Ruderboot als Fähre für Fußgänger, die sich damit den Umweg über die Hohe Brücke ersparen konnten. Der Innere Vorberg führte als Straße direkt in den Fluß, so dass die Möglichkeit bestand, dort eine Wagenfähre anzulanden. Fischer-Vorberg Haus Nr. 1 und 2 war das Verwaltunsghaus des Wasserbauhofes mit der Wohnung des Hafenmeisters Bernhard Petke; Nr. 2 war die Bäckerei von Forst, später Uhlenberg; in Nr. 4 Uhlenberg; in Nr. 5 wohnte der Tischler Schwalke und in Nr. 6 Herr Jetkowski, Schiffsführer der „Martha“; in Nr. 6 a die Schiffsführer Arend und Lietz; die Nr. 7 war das Lokal von Heinrich Helbig „Legan“mit Kegelbahn. Gegenüber, die Nr. 8 war der Ruderclub „Vorwärts“, hier wohnte auch der Ruderwart Kadei; in Nr. 8 a wohnte der Oberlandkanal-Schiffer Barwig und der Händler Suckau.
Gezeichnete Karte um 1934 von Gerhard Salemke,Pangritz- Kurier 95/4

Die rot schraffierten Flächen sind der Camping-Platz und die neue Straße-bezw. Brücke. Gelb alle Straßen mit Namen Fischer-Vorberg.



Das Haus Nr. 25 um 1934.

Beitrag von Klaus Stobbe


Fischer-Vorberg Nr 17 und 17a um 1912 / 13 

Festzug zum Sängerfest am 26. Juni 1927. Die 16-jährige Anna Rosa Stobbe sitzt auf dem Festwagen als Lorelei. Auf dem oberen Bild links, mit der Familie Stobbe, sitzt die 2-jährige Anna Rosa auf dem Arm ihrer Mutter, zweite von rechts.
Diese seltenen Aufnahmen stellte uns Herr Klaus Stobbe zur Verfügung. Sein Vater ist der kleine Junge mit Schirmmütze, von rechts die vierte Person.

Ein Beitrag von Frau Gisela Jerzimbeck

Im kleinen Haus, Jungferndamm11, wohnte die Urgroßmutter Emilie Auguste Fuchs (geb. Behrend,11.05.1862), in dem  Mietshaus, Fischer-Vorberg 28a wohnte Großmutter Justine Wittrien, geb. Fuchs. Auf einem evangelischem Friedhof steht Oma Wittrien am Grab von Urgroßmutter Emilie Fuchs.
Höchstwahrscheinlich lag das Grab auf dem St. Marien-Friedhof  am Mühlendamm, zu dieser Kirche gehörte Frau Emilie Fuchs.