Die Elbinger Altstadt war nach Danzig die zweitreichste Stadt an mittelalterlichen Häusern in ganz Preußen. Das Stadtbild glich dem der norddeutschen Hansestädte bis 1945 die Russen bei der Einnahme die Stadt in Schutt und Asche legten. Damit war ein sehr wertvolles Zeugnis alter Elbinger Stadt- geschichte unwiderruflich verloren. Die Polen haben das ebenfalls zerstörte Danzig nach alten Unterlagen rekonstruiert, in Elbing werden die Häuser nicht mehr nach alten Plänen nachgebaut, sondern es werden Häuser im gemischten alten Baustilen erstellt. Die bis jetzt neu errichtete Altstadt wirkt wie ein polnisches Disneyland, schön anzu-schauen aber nicht mehr unser gutes altes Elbing. In der Altstadt waren früher schöne alte Bürgerhäuser aus der Zeit der Gotik, der Renaissance und des Barock mit prächtigen Portalen und Beischlägen zu sehen. Es war einmal, uns bleiben nur die Erinnerungen in alten Büchern und Ansichtskarten. Folgen sie mir jetzt auf einen kleinen Rundgang durch die Altstadt, man benötigte früher dafür ca. eine Stunde. In (Klammern) die Sehenswürdigkeiten.
Rundgang durch die Altstadt vor 1940
Vom Friedrich-Wilhelm-Platz (Hermann-Balk-Brunnen und Kaiser-Wilhelm Denkmal) gehen wir links am Rathaus durch die Passage zur Sturmstraße (Ostportal Polizeipräsidium mit allegorischen Figuren) und nach rechts in die Junkerstraße (Stadtarchiv, Stadtbücherei, Kriegerdenkmal 1870 /71) über die Friedrichstraße in die Heilig-Geist-Straße am Münzmeisterhaus(Phillipson) in die Münzstraße und um die Ecke in der Große Hommelstraße 1, da ist das Gasthaus „Zu den drei Bergen“, zurück in die Heilige Geiststraße (Alte Giebelhäuser, Nr. 15 ältestes niederdeutsches Bürgerhaus des Deutschordensgebietes) nach links in die Burgstraße (Nr. 1-2 Heilig-Geist-Hospital aus dem 13. Jahrh. mit malerischen Hofanlagen) in die Gymnasiumstraße (Agnes-Miegel-Schule, Reste des Elbinger Ordensschlosses) zurück zur Burg- und Heilige Geiststraße (Nr.3-4 Städt. Museum) und zurück in Richtung Rathaus dann links durch den "Kirchsteig" oder „Enge Gasse“ zur Brückstraße (Alte Giebelhäuser, Nikolaikirche 14. Jahrh.) nach links zur "Hohen Brücke" (Blick auf den Innenhafen und alte Warenspeicher der Speicherinsel) über die Brücke nach links Lübecker Ufer (Blick auf gegenüberliegende Häuserreihe am Hermann-Balk-Ufer mit Fischmarkt) dann über die Leege Brücke (Schichauwerft und Dampferanlegestelle nach Kahlberg) in die Wilhelmstraße (Alte Giebelhäuser) links in die Körperstraße (Klosterhof und Marien- kirche) zurück und gegenüber durch die „Enge Gasse“ in die Spieringstraße (Alte Patrizierhäuser mit Beischlägen, Kamelhaus, Bild oben links) nach links zum „Alten Markt“ (Alte Giebelhäuser, Nr. 14 Königshaus mit historischer Weinstube, südlich: der Pfeifenbrunnen, nördlich: das Markttor von 1319) nach links durch das Markttor in die Schichaustraße (Verwaltungsgebäude Schichau) nach rechts in den „Kleinen Lustgarten“ (Schichau-Denkmal, Diana-Statue) nach rechts in die Poststraße (links in der Wilhelmstraße das „Alte Kramerzunfthaus“ mit altdeutscher Weindiele und Carl-Pudor(Heimat)-Museum) zurück zum Rathaus.
Wenn man nach dem oberen Plan nach dem Rathaus (Nr. 10) nicht in Richtung Heilig-Geist-Str. geht, sondern in die Junkerstraße so ist auf der linken Seite "Brauer's Gaststätten" mit zwei Eingängen, dazwischen ist ein Schaukasten der Adler-Lichtspiele vom Film-Hofmann, der ein Schwager von Brauer war. Dem Familienlokal und der Speisewirtschaft waren auch Fremdenzimmer angegliedert. Vor 1934 gehörte das Haus und das Lokal Herrn August Eichhorn. Das Lokal wurde von der Ecke Baderstr. aufgenommen, im Hintergrund beginnt die Hospitalstr.
Unten am roten Pfeil ist die Berlinerstr. 36, die Gaststätte von Gustav Rittger, Telf. 3420, Ecke Mohrchenstr. Diese Gaststätte wurde von den Niederungsbauern als Abstellplatz für Gespanne benutzt wenn ein Stadtbesuch geplant war.
Zwischen Nikolaikirche und Elbing Fluß stehen keine Häuser mehr!
Unten.Die Ruine des Kamelhauses nach einem russischen Foto um 1945. Aus Lindenholz 85x60x35cm, dieses Diorama habe ich dem Museum in Elblag geschenkt. Man kann es dort besichtigen.
Die "Enge Gasse" von der Wilhelm Straße aus zur Spiering Straße, vor 1945.
„Im stillem Winkel“
Von dem Stadtrundgang durch die Heilige-Geist-Str. nach links in die Münz-Str. lag am Ende gegenüber in der Großen Hommel-Str.19 das Gasthaus „Zu den Drei Bergen“ Nach links und dann rechts in die Mauer-Str., an die Rückseite von „Drei Bergen angebaut war die Gaststätte „Im stillen Winkel.
Von der Friedrich-Straße aus gleich hinter dem Theater, Mauer-Straße Ecke Große Hommelstallstraße gegenüber der Möbelfabrik F. Roschkowski, (Theaterplatz 1/2) später Kulissenlager des Theaters, war der "Stille Winkel", ein romantisches Fleckchen in unserer alten Heimat. Auf der Karte sieht man links mit dem runden Fenster die Möbelfabrik, Ansicht von der Mauer-Str., dann die Große Hommelstallstr. und die Rückseite von „Drei Bergen“ mit dem „Stillen Winkel“.
Beide Gebäude gehörten dem gleichen Besitzer, der auch zugleich der Wirt dieser beiden Lokale war. Früher hieß das Gasthaus „Theaterhallen“ und gehörte Wilhelm und Rosa Ullendorf. Gerne genehmigten sich die Theaterbesucher nach der Vorstellung noch „Einen“, besonders beliebt war das „Schneegestöber“. Als Herr Ullendorf starb übernahmen die Tochter Marianne und der Schwiegersohn Wilhelm Baumann die beiden Gaststätten und mussten 1938 zuerst zu Verwandten nach Danzig und 1938 nach England emigrieren. Der letzte Besitzer war Kurt Stecher.
Hier ein Blick in das Elbinger Theater.
Die Möbelfabrik um 1910. Das Gebäude ist größer gezeichnet als es war und die Gassen rundherum waren viel enger.
Und zum Abschluß zur Stärkung in das Restaurant "Kaiserhof" in die Kettenbrunnenstr. 8. Eine sehr seltene Ansichtskarte von 1900 aus meiner Sammlung