Im Jahr 2000 habe ich ein Elbinger Münzbuch geschrieben. Die Grundlage war meine umfangreiche Sammlung Elbinger Münzen, Medaillen, Plaketten,Notgeld und Warenplomben. Zuvor gab es für die Elbinger Münzen aus polnischer Zeit nur den Gumnowski und aus der schwedischen Zeit den Oldenburg und aus der Ordenszeit Vossberg. Auf Grund der Sammlung Elbinger Münzen in der Marienburg (verschollen) gab es noch den Katalog von Dr. Bahrfeld. Alle Kataloge zusammen ergaben für mich noch kein befriedigendes Ergebnis und so habe ich mein erstes Münzbuch geschrieben. Ein erforderliches Nebenprodukt meiner Forschungen war ein weiteres Buch mit dem Titel: "Siegel,Wappen une Fahnen". Beide Bücher wurden in kleiner Auflage gedruckt und waren innerhalb kürzester Zeit vergriffen!
Meine fortschreitende Sammlung mit vielen neuen Varianten Elbinger Münzen und Medaillen machte es erforderlich, eine neue erweiterte und verbesserte Ausgabe meines Münzbuches in kleiner Auflage auf den Markt zu bringen. Auch dieses Buch ist bereits vergriffen, Das letzte Exemplar konnte ich einem sympatischen polnischen Sammler aus Warschau schenken, Herrn Jan Kancelarczyk, der anregte diese neue Seite für alle Elbinger Sammler zu veröffentlichen. Dieser Bitte komme ich sehr gerne nach, zumal alle meine Elbinger Münzbücher vergriffen sind. Die nachfolgenden Artikel sind im Original aus meinem Münzbuch, 2. Ausgabe entnommen.
Literaturverzeichnis
Die numismatische Bibliothek ist eine unentbehrliche Grundlage für jede Sammlung und sollte zumindest die wichtigsten Handbücher umfassen. In dieser Hinsicht sind auch einzelne Versteigerungskataloge sehr wertvoll und hilfreich. Die älteste Literatur über Elbinger Münzen ist von Ge. Dan. Seyler, Danzig 1720 und Jac.Woit, Elbing, April1754. Alle nachfolgend aufgeführten Werke befinden sich in meiner Bibliothek:
Ahlström, Bjarne Sveriges Besittningsmynt 1980 Stockholm
Bahrfeldt, Dr. Emil Die Münzen und Medaillen-Sammlung in der Marienburg 1916 Repr. (DDR)
Bahrfeldt, Dr. Emil Die Münzen und Medaillen-Sammlung in der Marienburg 1916 Repr. (Danzig)
Bahrfeldt, Dr. M. v. Die Notmünzen der Provinzen Ost- und Westpreußen 1930 Halle / Wittenberg
Bandtkie Numismatyka Krajowa 1839 Warschau
Carstenn, Edward Geschichte der Hansestadt Elbing 1937 Elbing
Dost, Kurt Die Münzen der Stadt Elbing und ihre historischen Medaillen 1996 Essen
Eggert, Edwin u. a. Die Pfennige des Deutschen Ordens in Preußen 1991 Minden
Ehrlich, Dr. Bruno Elbinger Jahrbuch, Heft 16 ( Denkschrift Copernicus) 1941 Elbing
Fuchs, Michael Gottlieb Beschreibung der Stadt Elbing und ihres Gebietes, I-III
Goldhofer, J. Der Deutsche Orden in Preußen 1995 Hamburg
Gumowski, Marian Handbuch der polnischen Numismatik 1960 Thorn
Gumowski, Marian Mennica Gdanska 1972 Thorn
Hauck & Aufhäuser Die Münzen- und Medaillen-Sammlung Otto Kozinowski 1998 München
Heinsius, Paul Das Schiff der hansischen Frühzeit 1986 Köln/ Wien
Heß, Adolph Auktions-Katalog Nr. 170, Danzig, Elbing und Thorn 1921 Frankfurt / M.
Hutten-Czapski, E. Münzkataloge der polnischen Münzen und Medaillen 1872 Paris
Kirmis, Dr. Max Handbuch der polnischen Münzkunde 1892 Posen
Kreß, Karl Auktions-Katalog Nr. 119, Münzen und Medaillen 1961 München
Kubicki, Otto von Sammlung polnischer Münzen 1908 Warschau
Rudolph, Karl Danzig, Elbing, Thorn 1914 Königsberg
Rentzmann, Wilhelm Numismatisches Legenden-Lexikon 1865 Berlin, 1977 Repr.
Saurma-Jeltsch,H.von Die Saurmasche Münzsammlung 1892 Berlin, 1986 Repr.
Schlickeysen/ Pallm. Erklärungen der Abkürzungen auf Münzen 1855 Berlin, 1978 Repr.
Voßberg, F. A. Preußische Münzen und Siegel 1843 Berlin
Zellt, Josef Sammlung polnischer Münzen 1867 Berlin
Zagorski, Ignacy Monety dawnej Polski, 2 Bde. (TEKST / TABLICE) 1845 Warschau
Vorwort
Jeder Sammler, der sich mit den Elbinger Münzen beschäftigt, weiß wie schwierig es ist, jedes Nominal, die zum Teil aus mehreren Typen bestehend, richtig zu bestimmen. Die vorhandenen Münzbücher behandeln neben vielen anderen Gebieten Elbinger Münzen leider nicht ausführlich genug. Zu einem mag es daran liegen, dass bei der Vielzahl der preußischen, polnischen und schwedischen Prägungen Elbing nur einen kleinen Raum einnimmt und zum anderen, das fast alle einschlägigen, bedingt brauchbaren Münzbücher vor oder um 1900 geschrieben wurden. Am ausführlichsten ist für die Elbinger Münzen der von Dr. Emil Bahrfeldt, der verfassten „Sammlung in der Marienburg“, Band 6, der 1916 erschienen ist. Leider ist die in diesem Band beschriebene, umfangreiche Elbinger Münzsammlung aus dem Museum auf der Marienburg in den letzten Kriegstagen 1945 verschwunden; geblieben sind uns nur die Abbildungen der Elbinger Münzen und Medaillen in dem genannten Band der Sammlung.
Auf Grund neuerer Technik konnten in den letzten Jahren zahlreiche Münzen gefunden werden, unter denen verschiedene Abarten sind, die bisher unbekannt waren. Außerdem kommen auch noch die neuen Erkenntnisse aus dem Gebiet „ Deutsche Ordensmünzen in Preußen “ von J. Goldhofer sowie die Erkenntnisse aus meiner Forschung über die Elbinger Stadtsiegel dazu. Jetzt können viele bisher nicht als Elbinger Prägungen erkannte Münzen des Deutschen Ordens eindeutig unter Elbing eingereiht werden.
Dieses Buch listet alle mir bisher bekannten Elbinger Münzprägungen bis 1763 auf sowie die Medaillen und Notgeldausgaben bis 1945. Als letzte Abteilung werden die Nachkriegs-prägungen erfasst. Die Münzen und Medaillen sind in fünf Abteilungen unterteilt:
1. Elbinger Ordensmünzen vor 1444
2. Elbinger Münzen von 1445 – 1763
3. Elbinger Medaillen und Plaketten bis 1945
4. Elbinger Notgeld bis 1945
5. Elbinger Nachkriegsprägungen
Als Grundlage diente mir meine sehr umfangreiche Elbinger Münzsammlung. Die vorhandenen Stücke sind aufgelistet und soweit erforderlich auch abgebildet. Die Bearbeitung der Münzen in diesem Buch lehnt sich an die Aufstellung von Voßberg und Bahrfeldt an.
Für dieses Elbinger Münzbuch ist auf den Elbinger Münzen die Hauptseite die mit dem Elbinger Stadtwappen.
München, im Mai 2000
Hans Pfau
Die Elbinger Münzgeschichte
I. Die Stadtgründung
Im Jahr 1237 wurde die Stadt Elbing von Hermann Balk, Landmeister des Deutschen Ordens und Lübecker Bürger, gegründet. Den Lübecker Bürgern wurden vom Deutschen Orden ca. 400 Baustellen von je zwei kulmischen Ruten Hausbreite (8,60 m), entspricht dem Maß eines freitragenden Balkens, zugeteilt. Die Ansiedlung wurde gleich als Stadt, rechteckig, ca. 300 x 500 Meter, gebaut. In diese Anlage wurden eine Kirche, ein Kloster, ein Rathaus und ein Spital mit einbezogen. Die Stadt lag der Länge nach am gleichnamigen Fluss Elbing. Die Stadt wurde in Längsrichtung von einer breiten Straße, dem Markt, unterteilt. Diese Straße folgte der Bern- steinstraße Thorn – Samland. Im Süden erbaute der Orden eine Burganlage.
Im Jahr 1246 wurde der Stadt Elbing das Lübische Recht verliehen. Seit 1242 führt die Stadt ein eigenes Siegel.
II. Die Elbinger Münzen zur Ordenszeit
Bald nachdem der Deutsche Orden in Preußen die ersten Burgen errichtet und in ihrem Schutz die Städte Thorn, Culm, Marienwerder und Elbing gegründet und gebaut wurden, entwickelte sich ein reger Handel. Damit war auch der Bedarf an eigenen Zahlungsmitteln vorhanden.
In der Culmer Handfeste (Verfassung) von 1232, also schon ein Jahr nach der Gründung der Stadt Thorn, wurden die Bestimmungen über die Münze im Ordensland festgelegt.
Mit dem Bau der Ordensburg 1237 in Elbing wurde hier der Hauptsitz des Deutschen Ordens in Preußen eingerichtet. Es ist daher auch anzunehmen, dass im Elbinger Ordensschloss geprägt wurde. Die Angaben über eine Münztätigkeit in Elbing sind sehr spärlich und bisher hatte auch niemand den Mut, diese spärlichen Angaben richtig auszuwerten.
Folgende Tatsachen sind bekannt:
1. Elbing war bis zum Bau der Marienburg 1274/76, ca. 30 Jahre, Hauptsitz des Deutschen Ordens in Preußen.
2. Um 1242 führt Elbing sein erstes Schiffssiegel mit nur einem Tatzenkreuz.
3. Im 14. Jahrhundert hat Elbing das erste Wappensiegel mit zwei Kreuzen übereinander, nachweisbar 1377 in Danzig an einem Brief.
4. Ein Schiffssiegel (Nr. 4) mit zwei Kreuzen übereinander im Stander führt Elbing seit ca. 1350. In einer Elbinger Urkunde von 1246 werden als Abgabe „ 6 Brakteaten der einheimischen Münze “ vorgeschrieben. Klar zu erkennen ist jedoch nicht, ob Elbinger oder preußische Brakteaten gemeint sind.
Eindeutiger ist jedoch eine Notiz in einer aus dem Jahr 1251 herrührenden Verabredung. Darin wird festgelegt, dass die Münze Bischof AnselmsvonErmland (1250-1261) im Münzfuß mit der Elbinger Ordensmünze übereinstimmen sollte. Vereinzelt werden auch sonst noch Elbinger Brakteaten im 13. Jahrhundert erwähnt.
6. Aus dem 14. Jahrhundert sind zwei Elbinger Münzmeister bekannt.
a : um 1333 Meister Giseler ( Gyselerie )
b : 1344 und 1351 Meister Arnold
7. Aus den eingesehenen Unterlagen haben sich für das 13./14. Jh. sechs verschiedene Münzstätten, in denen die einseitig geprägten Brakteaten geschlagen wurden, ermitteln lassen. Diese waren nach Dr. Max Kirmis (S. 32) nachweisbar:
in Elbing seit 1251
im Ermland seit 1251
in Königsberg seit 1261
in Culm seit 1274
in Thorn seit 1292
in Danzig seit Mitte des 14. Jh.
Voßberg und Bahrfeldt schreiben, dass eine Aussonderung aus den vielen preußischen Münzen für eine bestimmte Stadt nicht möglich war, zumal fast alle Brakteaten eine gemeinsame Stempelausführung zeigen. Der Orden hat mit Sicherheit nur einen Stempelschneider für das gesamte preußische Ordensgebiet beschäftigt. Hier gilt wohl auch das Zitat von Dr. Max Kirmis:„ Schlüsse, die man aus dem Münzbild zieht, können nur den Wert von Hypothesen haben, die Ergebnisse aus schriftlichen alten Überlieferungen sind zur Theorie vorgeschritten, Gewißheit herrscht nur, wo sich beide decken.“
Vergleicht man die Kreuze auf den vorhandenen Brakteaten mit dem aus der gleichen Zeit bekannten Stadtsiegel, so ist sehr wohl eine Zuweisung einzelner Münzen zu den einzelnen Or- densburgen möglich. Nach diesen Gesichtspunkten habe ich auch die Elbinger Brakteaten ausgesondert.
Ein weiterer Irrtum ist Voßberg mit dem Brakteat Nr. 39 ( Tafel II nach Seite 216 ) unterlaufen. Hier werden zwei Kreuze in einem Torbogen, geteilt durch einen Pfeil beschrieben.
Im Stadtsiegel zeigten die Stadtverwaltungen ihr Wappen bzw. Besonderheiten z.B bei Elbing als seefahrende Handelsstadt zusätzlich ein Schiff in dem vornehmen Teil der Siegelfläche. Das Münzbild entsprach dementsprechend auch immer dem Stadtsiegel, damit auch der gemeine und schreibunkundige Mann die Münze einer gewissen Region oder Ortschaft zuordnen konnte. Auf einer Münze, die in der Regel kleiner ist als ein Stadtsiegel, kann auch weniger gezeigt werden. Auf dem Brakteat, Voßberg Nr. 39 erkennt man, wenn die Münze um 90° gedreht wird, eine Wetterfahne mit einem liegenden Pfeil und als Stabilisator am Ende eine Rose. Über und unter dem Pfeil sind die beiden Kreuze. Dieses Münzbild entspricht der Wetterfahne auf den Elbinger Stadttoren oder ist eine Nachbildung des Flügers auf dem Elbinger Secret-Siegel von 1424, als Nr. 5 beschrieben in meinem Buch „Siegel, Wappen, Fahnen der Hansestadt Elbing“. Dieser Brakteat, der in verschiedenen Varianten bekannt ist, dürfte um 1424 in Elbing geschlagen worden sein.
Weiterhin schreibt Dr. Max Kirmis:
Im Jahr 1425 übertrug der Orden, da es ihm selbst an Metall mangelte, den Städten Thorn und Danzig die Ausmünzung von Ordensgeld auf unbestimmte Zeit gegen die Hälfte des Gewinnes. Im Jahr 1436 forderte der Hochmeister aber 2/3 des Gewinnes für sich, und als die Städte ihm diesen Anteil nicht bewilligen wollten, fing er selbst wieder an zu prägen.
Elbing wird sich wohl, ohne sonderlich erwähnt worden zu sein, an der Münzprägung beteiligt haben. Dieses ist umso wahrscheinlicher, da aus der Stadtchronik bekannt ist, dass das älteste Elbinger Münzhaus um 1400 in der Brückstraße Nr. 5, also wenigstens ca. 200 m außerhalb der Ordensburg stand.
Vor Winrich von Kniprode war der Brakteat, die einzige ausgeprägte Ordensmünze (Hohlpfennig). Winrich von Kniprode (1351-1382) ließ zuerst größere Münzen schlagen, in geringer Zahl Halbschoter als Ersatz der Krakauer Groschen, insbesondere aber Schillinge, welche die Hauptmünzen des Ordens wurden.
Es sollten 60 Schillinge zu 12 Pfennige auf die Culmische Mark gehen, in der Tat aber ließ Winrich schon 134 Stück aus der feinen Mark prägen, und nach der unglücklichen Schlacht bei Tannenberg wurde das Verhältnis zwischen Nennwert und innerem Wert immer schlechter. Das Gepräge der Ordensschillinge ist ziemlich gleichförmig. Auf der Hauptseite findet sich das Hochmeisterwappen. Es ist der große bekreuzte Ordensschild mit einem kleineren auf dem Kreuz von Jerusalem ruhenden Adlerschild mit dem Namen des Hochmeisters in der Umschrift. Die Rückseite zeigt den Ordensschild mit der Umschrift „Moneta Domnorum Prussiae“. Münzberechtigt waren außer dem Orden nur die Bischöfe, die eingesetzt waren, in den ihnen überwiesenen Landesteilen als vollkommene Landesherren aber ihr Münzrecht nur im 13. und 14. Jahrhundert ausübten und auch nur Brakteaten schlagen ließen.
Die preußischen Städte besaßen kein Münzrecht. Die so genannten Culmer, Thorner, und Elbinger Brakteaten und Pfennige waren Ordensmünzen, die im Auftrag des Ordens von den Städten geprägt wurden.
Mit Sicherheit wurden in Elbing auch die Schillinge des Ordens geprägt, aber nur die zur Zeit des Hochmeisters Conrad von Jungingen geschlagenen Schillinge lassen sich den verschiedenen Städten zuordnen. Diese Schillinge sind bei Voßberg von Nr. 340 bis 424 beschrieben. Diese besondere Kennzeichnung, ein t für Thorn, ein m für Marienburg, ein d für Danzig und ein X für Elbing gehen auf die folgende Anordnung zurück. 1394 und 1398 wurde von Conrad vonJungingen verfügt: Die Bestimmungen für die Goldarbeiter wird dahingehend erneuert, dass sie ihre Arbeiten mit ihrem und dem Stadtzeichen versehen sollten, dass jeder Gewerksgenosse das eidliche Versprechen gebe, niemals Landesmünze und überhaupt nicht mehr Silber zu schmelzen, als er zur Arbeit nötig habe.
Anlass hierzu war die allgemeine Münzverschlechterung sowie der Streit des Hochmeisters mit dem Bischof von Plock im Jahr 1398 wegen eines Falschmünzers.
III. KASIMIR IV. JAGiELLO (1427 – 1492)
Die preußischen Städte sagten sich 1454 vom Orden los und wählten den polnischen König Kasimir IV. als Schutzpatron. Damit endete für Elbing die Periode der Ordensmünzen. Für die Zeit des 13 jährigen Krieges zwischen Polen und dem Deutschen Orden wurden Danzig, Elbing, Königsberg und Thorn vom polnischen König Kasimir IV. die Erlaubnis zur Münzprägung erteilt. Ein besonderes ausgefertigtes Münzprivileg hatte die Stadt Elbing 1454 und 1457 nicht gefordert. Man stützte sich doch auf die Tatsache, daß sie bereits unter den Hochmeistern am Ertrag der Thorner und der Danziger Münze beteiligt war. Beim Elbinger Privileg handelte es sich nicht um eine reine Belohnung für die Widererwerbung Preußens, wie aus dem Wortlaut der Danziger und Thorner Urkunden deutlich hervorgeht, sondern die Stadt Elbing verlängert ihr Bündnis mit König Kasimir. Sie verspricht nämlich, auch „vortan yn zukommenden zeitten“ mit dem König gegen den Orden zu kämpfen.
Dieser Satz, der in den Urkunden der beiden anderen Städte fehlt, setzt voraus, dass Elbing die Möglichkeit hatte, sich loszusagen, und dass schließlich Georg Räuber dem König ein Ultimatum stellte, woraufhin der König sich entschloss, durch dieses Privileg Elbing neu an sich zu binden. Die Elbinger Politik erinnert an die des Großen Kurfürsten 1656/57.
Dass die Urkunde von Elbing und nicht vom König aufgesetzt und vorgelegt wurde, zeigt die Gebietsbeschreibung (über dem sehe Drausen) die von Elbing und nicht Marienburg, dem Ausstellungsort, aus gesehen ist.
In Elbing wurden Pfennige und Schillinge im Münzhaus Brückstraße Nr. 5 geschlagen. Die Pfennige sind Hohlpfennige oder auch Brakteaten mit dem Elbinger Stadtschild: zwei Kreuze übereinander, das obere vertieft, das untere erhaben. Die Schillinge sind beidseitig geprägt: auf der einen Seite der Stadtschild mit zwei Tatzenkreuzen übereinander und einer Umschrift, auf der anderen Seite ein Schild mit dem polnischen Adler.
Auf die übliche Abbildung des Königs auf der Hauptseite der Münze wurde wohlweislich verzichtet, betrachtete man den polnischen König doch nur als Beschützer und nicht als Landesherren. Die freien Bürger Elbings fühlten sich nicht als polnische Untertanen.
Des Königs Bild auf den Münzen macht die Untertanen am besten mit dem Herrscher bekannt und ist dem gemeinen und schreibunkundigen Mann zu jener Zeit das schwerwiegendste Kennzeichen der Macht. Daher beeilten sich die römischen Cäsaren unmittelbar nach der Wahl den Legionen die neuen Bronzemünzen mit ihrem Portrait zuzustellen.
In Preußen und Elbing wurden 12 Pfennige auf einen Schilling gerechnet, und in Polen waren 18 Elbinger Pfennige einen polnischen Groschen wert. Nach dem Ende des 13jährigen Krieges wurde Elbing das Münzrecht entzogen. Am Schluss dieser Elbinger Münzperiode hat die Stadt einen Schilling mit dem preußischen, statt des polnischen Adlers geprägt. Von dieser Art ist aus Elbing, im Unterschied zu Danzig und Thorn bisher nur ein einziges Stück bekannt, das sich in meiner Sammlung befindet.
Nach Beendigung des 13jährigen Krieges trafen erstmals auf einer Tagfahrt zu Elbing am 15. Februar 1467 die beiden Abgesandten, für den Deutschen Orden Heinrich Reuß von Plauen, für Polen ist niemand namentlich erwähnt, zu Beratungen über eine gleichwertige Münze zusammen.
Bei diesen Beratungen wurde der Vorschlag gemacht, man solle in beiden Landesteilen eine Münze schlagen, die nicht zu gering aber auch nicht zu hoch im Feingehalt sei, damit sie im Lande bleibe und nicht im Ausland des Silbers wegen eingeschmolzen werde. Diese Münze soll in beiden Teilen Preußens gang und gäbe sein und, damit sie ihren Wert behalte, am besten nur an zwei und nicht an vier oder fünf Stellen geschlagen werden. An dem einen Ort vom König, am anderen vom Hochmeister. Nach reiflicher Überlegung war einige Tage später, am 18. Februar, denn auch von beiden Teilen beschlossen worden, in beiden Landesteilen eine Münze von gleichem Gewicht, Feingehalt und Gepräge zu schlagen. Auf der einen Seite sollte sie das Gepräge des Königs, auf der anderen das Wappen des Ordens tragen.
Zur Ausführung dieses Beschlusses ist es aber nicht gekommen. Durch dauerndes Dekret wurde befohlen, dass aus einer Legierung von einem Pfund Feinsilber und drei Pfund Kupfer für 20 Mark Schillinge geschrotet werden. Dazu möge man auch Skoter von zwei Pfund Kupfer und ein Pfund weniger ½ Unze Silber für 20 Mark schlagen, je 24 für eine Mark geschrotet. Auch mag man nach voriger Rechnung für die Schillinge halbe Schillinge münzen, von denen fünf auf ein Skot gehen und einer für drei der jetzigen Heller gewechselt werde.
Weiterhin werde unverletzlich und unabänderlich stets beachtet, das nur 20 Mark und nicht mehr aus einem Pfund Feinsilber hergestellt werden, in dem einzig die notwendigen Kosten für das Münzen in Abzug gebracht werden. Auf diese Weise wird nämlich die preußische Münze zur polnischen derart in Beziehung gebracht, dass 20 preußische oder polnische Groschen eine Preußische Mark ausmachen.
Zur Zeit König Johann Albrechts, 1492 – 1501, und Alexanders, 1501 – 1506 wurde in Elbing nicht mehr geprägt, die Münze stand 63 Jahre still.